Noch voll auf Ballhöhe

Manfred Werner wird 80

Thomas Bleicher
21. März 2016, 10:50 Uhr

Manfred Werner im Manfred-Werner-Stadion. Heute wird der weit über Flensburg hinaus bekannte Macher 80 Jahre alt. (Foto: Lars Salomonsen)

Flensburg. Die Sonne strahlt. Das Auto ist geparkt und Manfred Werner ist überpünktlich. Als Flensborg Avis den weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Mann anlässlich seines 80. Geburtstages an diesem Montag am Stadion des ETSV Weiche Flensburg, das seinen Namen trägt, zu einem Gespräch trifft, ist eine der ersten Fragen natürlich die nach seinem Befinden. »Wenn man mit 80 Stiefmütterchen pflanzen kann, ist doch alles gut«, antwortet »Manni« Werner: »Ich weiß aber natürlich: Das Alter ist nichts für Feiglinge.« 

Bewegtes Leben

Trotz seiner 80 Jahre auf dem Buckel, einem bewegten Leben, in dem er acht Jahrzehnte Zeitgeschichte miterlebte und in seinem Bereich auch mitgestaltete und prägte, ist Manfred Werner vor allem seinem Sport noch immer treu geblieben - und stets auf Ballhöhe. Gerade erst am Mittwoch saß er in der pickepacke vollen Flens-Arena auf seinem Platz auf der Tribüne, verfolgte den Sieg der SG Flensburg-Handewitt in der Handball-Bundesliga gegen die HSG Wetzlar, der der Mannschaft von Trainer Ljubomir Vranjes noch immer die Titel-Option offen hält.
»Ich denke, dass wir gute Chancen haben, in dieser Saison Meister zu werden«, sagt Manfred Werner. Er weiß, dass dieser große Handball-Sport in Flensburg, den er maßgeblich begleitet und gestaltet hat, keine Selbstverständlichkeit ist. »Seit Jahrzehnten wird in dieser so kleinen, wirtschaftlich armen Region, so toller Handball gespielt. Ich sage: Man sollte allen danken, die da mitwirken«, so Manfred Werner, der neben dem Handewitter Urgestein Günther Ahlers als einer der beiden »Gründungsväter« der SG Weiche-Handewitt (1974) gilt (siehe nebenstehenden Infokasten).

Gewaltige Karriere

Noch immer meinungsstark und stets auf Ballhöhe: Manfred Werner. (Foto: Lars Salomonsen)

Manfred Werner, das Geburstagskind, hat allerhand erlebt in seinem Leben. Er ist ein Mann, der über viele Jahrzehnte lang Betriebsratsvorsitzender eines Großkonzerns war, der einst als Vertriebener nach Weiche »gespült« wurde, nur um Haaresbreite eine Schiffskatastrophe überlebte, der vor einigen Jahren eine schwere Krebs-Erkrankung (Opera­tion 2004) überstand, der eine gewaltige Karriere als Sport-Funktionär hinlegte. Werner legte sich für den Flensburger Ballsport gehörig ins Zeug, beförderte so den Aufstieg des Handball-Sports in der Region. Auch schrieb er viele Kapitel der Handball-Geschichte sowohl national als auch international mit. Heute ist er einziges Ehrenmitglied der HBL (seit 2001) und der SG Flensburg-Handewitt (seit 12. September 2011). Auf dem Weg über die Stehtribüne des Stadions geht es im Gespräch mit Manfred Werner natürlich explizit auch um den Fußball. »Die Weicher Erfolge sind für mich nicht nachvollziehbar«, sagt Manfred Werner über den starken Regionalligisten, der sich nach seiner Ansicht in einer »verkappten Profi-Liga« erstaunlich stark schlägt und inzwischen sogar den Aufstieg in die 3. Liga in den Mund nimmt.

Fusion positiv begleiten

Da ist man dann schon beim nächs­ten Thema, der geplanten Fusion zwischen den Eisenbahnern vom ETSV Weiche Flensburg und dem lokalen Nachbarn Flensburg 08. Was er davon hält? Welche Vorteile er sieht? »08 hat eine wahnsinnig gute, tolle Jugendarbeit, auch die Leute sind sympathisch«, sagt Manfred Werner. »Ich würde das positiv begleiten.«

Manfred Werner macht sich Sorgen

Er hat aber auch einige Bedenken. »Ich mache mir große Sorgen um die Vereine. Natürlich nicht die ganz großen. Weil keiner mehr Funktionen übernehmen will«, sagt Manfred Werner in der Gaststätte des Manfred-Werner-Stadions in Weiche, wo er an seinem Ehrentag die Geburtstagsgäste empfängt. »Wir sind auf dem Weg zu einer egoistischen Individualgesellschaft. Jeder erwartet, dass im Verein etwas für ihn getan wird, aber niemand ist bereit, selbst etwas zu tun. Das ist die Situation. Keiner will Verantwortung über seinen eigenen Lebensraum hinaus übernehmen.« Dabei sei der Sport so unglaublich wichtig. »Der Sport leistet in der Gesellschaft einen wahnsinnigen Beitrag - aber zum Nulltarif«, stellt Manfred Werner fest. »Vereine sind für viele ein ganz wichtiger Lebens­anker«.

Frau als großer Rückhalt

Doch so ein Leben, mit so vielen wichtigen, intensiven Aufgaben, die schafft selbst ein Macher wie Manfred Werner nicht allein. »Wenn ich so eine Frau nicht gehabt hätte, ginge das nicht. Sie war die Familien­managerin, hat das alles gemacht«, sagt der dreifache Vater (Töchter Anja, Kirsten und Iris über seine Frau Gertrud (»Trudi«), die er 1952/1953 kennenlernte und mit der er seit 1958 verheiratet ist. »Sie hat alles getan, um mir den Rücken freizuhalten«, weiß Manfred Werner.


Von Marc Reese