DHB-Team mit guten Aussichten vor der Hauptrunde
Handball EM
22.01.2016
Breslau. Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat die Chance, bei der Europameisterschaft in Polen das Halbfinale zu erreichen.
Die Gründe dafür: Eine beeindruckende Steigerung innerhalb der Vorrunde, großes Talent - und ein günstiger Spielplan in der Freitag Abend, 18.15 Uhr, beginnenden Hauptrunde. Gegen Ungarn befinden sich die Deutschen in der Favoritenrolle. Erfolg macht selbstbewusst und deshalb wagte sich Dagur Sigurdsson nach dem zu keinem Zeitpunkt gefährdeten 25:21-Sieg gegen die Slowenen am Mittwochabend erstmals aus der Deckung. »Wir werden noch hungriger«, begann er seine Kampfansage und machte aus einem vermeintlichen Nach- plötzlich einen Vorteil: »Wir haben eine junge Truppe. Mal sehen, wie die älteren Mannschaften die hohen Belastungen wegstecken.« Vor dem Turnier wurde den Deutschen wenig zugetraut, weil sie nach den Ausfällen von Leistungsträgern wie Kapitän Uwe Gensheimer, Patrick Groetzki und Patrick Wiencek jung und unerfahren wie nie zuvor bei einer Europameisterschaft sind. In den Tagen von Breslau wies das Team aber nach, dass es zwar wenige Länderspiele absolviert hat, dafür aber in der Lage ist, in atemberaubendem Tempo hinzuzulernen. Die Leistung gegen Slowenien war die beste der Vorrunde, vor allem mit der aggressiven Deckung hievten sich die Deutschen auf ein neues Leistungsniveau. Dieses Wissen sorgt für eine breite Brust. »Wir haben eine realistische Chance, ins Halbfinale zu kommen«, sagte Hendrik Pekeler. Der Kreisläufer von den Rhein-Neckar Löwen sprach diesen Satz mit einem Selbstverständnis aus, das den Anspruch des Teams an sich selbst verdeutlicht. Spieler wie der Magdeburger Finn Lemke (23 Jahre), der Kieler Rune Dahmke (22) oder der Wetzlarer Jannik Kohlbacher (20) sind dabei, den Status eines Talents schneller abzulegen, als zuvor für möglich gehalten. Steffen Fäth wirkt mit 25 Jahren schon wie ein erfahrener Haudegen, dabei spielt der Rückraumspieler der HSG Wetzlar wie 13 seiner Teamkollegen zum ersten Mal eine Europameisterschaft. Torhüter Andreas Wolff, mit starken Leistungen in allen Begegnungen der größte Gewinner der Vorrunde, schraubte die eigene Erwartungshaltung weit nach oben. »Jetzt ist auf jeden Fall alles möglich«, sagte der Mann von der HSG Wetzlar, der im kommenden Sommer zum THW Kiel wechselt. Das maximale Ziel verfolgen, um das maximal Machbare zu erreichen - diesem Credo haben sich Wolff und seine Mitstreiter verschrieben.
Vorteil Spielplan
Am Donnerstag war die Euphorie wieder der Konzentration auf die nächste Aufgabe gewichen. »Ungarn ist traditionell sehr, sehr stark und außerdem haben sie einen sehr erfahrenen Trainer«, sagte Sigurdsson. Talant Duschebajew hat als Trainer mit Ciudad Real die Champions League gewonnen, gilt als Taktikfuchs und wird die Deutschen laut Sigurdsson »vor ein paar Fragen stellen«. Unlösbar werden die Aufgaben aber nicht sein, dazu fehlt es den Ungarn schlicht an Qualität. In diesem Punkt sind die Schützlinge von Sigurdsson deutlich besser aufgestellt. Ein Vorteil für Deutschland ist neben dem unverhofft schnellen Qualitätssprung der ungewöhnliche Spielplan. An diesem Freitag startet die DHB-Auswahl gegen Ungarn in die Hauptrunde, Sonntag kommt es zum Duell mit Russland, ehe es zwei Tage Pause bis zum dann wohl entscheidenden Spiel um den Halbfinaleinzug gegen Dänemark am Mittwoch gibt. Die Dänen müssen hingegen am Vorabend der Partie gegen die Deutschen noch gegen Schweden spielen. Vor diesem Hintergrund bekommt die Kampfansage von Sigurdsson zusätzliches Gewicht. Die deutschen Handballer sind noch nicht satt.
Michael Wilkening