Kämpfen trotz Verletzungs-Schock

Handball EM

26.01.2016

Breslau. Steffen Weinhold saß fast regungslos auf einer Fensterbank. In großer Schar stürzten sich die Medienvertreter am Montagmittag im Teamhotel der deutschen Handball-Nationalmannschaft auf den Linkshänder, der immer wieder nahezu die gleichen Fragen hörte. 
Für Weinhold ist diese EM aufgrund eines Muskelbündelrisses in den Adduktoren vorbei. Genauso wie sein Nationalmannschafts- und Vereinskollege beim THW Kiel, Rückraumshooter Christian Dissinger (Adduktorenverletzung links), kam der Interims-Kapitän nicht gesund aus dem Hauptrunden-Duell gegen Russland (30:29). »Ich bin enttäuscht«, sagte Steffen Weinhold, der bei einem seitlichen Schritt in der Schlussphase der Partie einen Schmerz verspürte, trotz seines EM-Exits aber enorm gefasst wirkte. »Ich bin froh, dass wir gegen Russland gewonnen haben. Ich hätte der Mannschaft aber gerne im entscheidenden Spiel gegen Dänemark geholfen«, sagte der 29-Jährige, der trotz seiner Verletzung hofft, bei der Mannschaft bleiben zu können. »Wir haben uns eine tolle Ausgangsposition erarbeitet. Es wäre toll, wenn wir den Einzug ins Halbfinale schaffen, auch wenn Dänemark klarer Favorit ist«, befand der Mann, der bei dieser EM mit 28 Torvorlagen nach Dänemarks Mikkel Hansen (31) die meisten gegeben hat. 

Deutschland, das bei dieser EM die vergangenen vier Spiele allesamt gewann und mit mutigem, begeisterndem und frischem Handball für große Euphorie bei seinen Anhängern sorgt, muss nun Lösungen finden. In erster Linie gilt das für Bundestrainer Dagur Sigurdsson. »Die beiden Verletzungen sind natürlich ein kleiner Schock. Das tut mir leid für die Jungs, die hier bis zuletzt alles gegeben haben. Das ist bitter für uns und für den THW«, sagte der leidgeprüfte Isländer, der vor der EM bereits die Ausfälle von Kapitän Uwe Gensheimer, Patrick Groetzki, Patrick Wiencek, Michael Allendorf und Paul Drux wegstecken musste. Als Reaktion auf die Ausfälle von Weinhold und Dissinger hat der Bundestrainer die Rückraumspieler Kai Häfner (TSV Hannover-Burgdorf) und Julius Kühn (VfL Gummersbach) nachnominiert. Beide kamen am Montag in Breslau an. Teammanager Oliver Roggisch betonte im Teamhotel eindringlich, dass sich die DHB-Auswahl nicht von den Ausfällen von Weinhold und Dissinger aus der Bahn werfen lassen werde. »Wir gucken nach vorne. Es gibt keinen Grund, um Trübsal zu blasen. Die Stimmung bei uns war und ist gut«, sagte Roggisch. Ähnlich äußerte sich auch Torwart Carsten Lichtlein: »Wir dürfen nicht jammern. Wir wollen das als Team auffangen. Es geht darum, sich jetzt voll auf die nächsten Aufgaben zu konzentrieren.«