Selbstbewusstsein
Der achte, und wichtigste in der Laufbahn von Wiede, könnte am Samstag dazukommen und die Chancen dafür stehen gut. Nicht weil der Gegner Norwegen heißt und nicht weil neben Dänemark mit Frankreich und Polen weitere Favoriten überraschend ausgeschieden sind. Die Chancen stehen gut, weil die Deutschen nach dem Sprung ins Halbfinale auf dem Feld feierten, direkt danach aber in ihren »Tunnel« zurückkehrten. »Natürlich wollen wir das Halbfinale gewinnen, und danach das Endspiel«, sagte Wiede. Für die Handball-Nation ist das Erreichen des Halbfinales ein Erfolg, für die Spieler nicht. Interessant wird das Duell gegen Norwegen Freitagabend, denn die Skandinavier sind beinahe das Spiegelbild der Deutschen. Auch die Norweger haben viele junge und weitgehend unbekannte Spieler im Team, verloren das erste Spiel bei diesem Turnier, und erwischten anschließend eine Welle, die sie zu Siegen über Kroatien, Polen und Frankreich trug. »Wir werden unserer Linie treu bleiben«, kündigte Dagur Sigurdsson an. Der Isländer strahlte Donnerstag die Gewissheit aus, dass die Welle, auf der seine Mannschaft segelt größer und stärker als die der Norweger sein wird. In der Mannschaft gibt es keinen Zweifel. »Wir haben noch zwei Spiele und beide werden wir gewinnen«, sagte Andreas Wolff. Der Torhüter ist ein Sinnbild der deutschen Handballer bei dieser EM und wird immer mehr zum Sprachrohr. Der Mann, der im Sommer zum THW Kiel wechseln wird, hatte schon nach dem ersten Spiel der Hauptrunde gegen Slowenien verraten: »Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir hier alles gewinnen.« Das unerschütterliche Selbstbewusstsein von Wolff ist längst auf alle Spieler übergesprungen. Die-Helden sind bereit für den nächsten Schritt auf dem Weg zum Titel. Die Suche nach Karten kam Donnerstag auch noch zu einem zufriedenstellenden Ende. Zumindest für Erik Schmidt. Fünf Tickets benötigte der Kreisläufer der TSV Hannover-Burgdorf für Großeltern, Eltern und Freundin. »Das muss klappen«, sagte Schmidt, ehe er sich mit dem Teambus von Breslau aus in Richtung Krakau aufmachte. Am Nachmittag gab es die Gewissheit, Teammanager Oliver Roggisch hatte die Wünsche erfüllt, so dass der Fokus von diesem Moment an nur noch auf dem heutigen Gegner Norwegen lag. Die deutschen Handballer waren wieder in ihrem »Tunnel«.
Michael Wilkening