Vranjes: »Wir waren nicht gut genug«
Handball
Flensborg Avis: Ljubomir, woran hat es gelegen, dass Ihr Team mit drei Niederlagen ausgeschieden ist?
Ljubomir Vranjes: Wir waren nicht gut genug. Heute hatten wir eine Chance gegen einen Gegner auf Augenhöhe. Ich finde sogar, wir haben bessere Spieler als Tschechien, aber sie haben richtig gut gespielt. Sie hatten einen besseren Torwart (Martin Galia/Red.) und sie hatten Selbstvertrauen aus dem Dänemark-Spiel.
Können Sie trotzdem etwas mitnehmen aus diesem Turnier, Sie hatten vorher gesagt, dass es für Ihr junges, neuformiertes Team darum geht, Erfahrungen zu sammeln.
Vranjes: Ja, dass kann ich, allerdings hätte ich gerne noch drei weitere Spiele gehabt, um noch mehr Erfahrung zu sammeln. Aber Tschechien war einfach besser. Ich war zufrieden mit der ersten Halbzeit gegen Dänemark und fast mit dem gesamten Spiel gegen Spanien sowie den ersten zehn Minuten und der zweiten Halbzeit heute. Insgesamt war es aber zu wenig.
Es fehlt nicht nur an Erfahrung, was muss Ihre Mannschaft in Zukunft besser machen, um mit den besten Nationen mithalten zu können?
Vranjes: Wir benötigen mehr Spieler auf einem Niveau und das muss höher werden. Leider haben wir nicht die Breite wie die Top-Mannschaften. Im Rückraum bin ich zufrieden, aber am Kreis fehlen mir ebenso Alternativen wie auf Außen und im Tor. Roland Mikler ist ein guter Torwart, Adam Borbely ist jedoch noch jung und muss erst lernen. Zudem haben wir gesehen, dass Mikler zwar im ersten Spiel gegen Dänemark gut gehalten hat, sein Niveau aber nicht über alle Spiele halten konnte. Insgesamt bin ich auch unzufrieden mit dem Zusammenspiel zwischen der Abwehr und den Torhütern.
Wie enttäuscht sind Sie persönlich, dass Ihre erste Endrunde als Nationaltrainer so früh zu Ende ist?
Vranjes: Ich bin enttäuscht, dass wir heute nicht gewonnen haben. In den ersten beiden Spielen können wir nicht viel besser machen. Ich kann schließlich nicht zaubern und unser Team ist so gut wie es ist. Ich versuche immer das Beste aus dem Team zu holen, das mir zur Verfügung steht.
Was machen Sie jetzt noch, reisen Sie sofort ab oder schauen Sie sich noch EM-Spiele an?
Vranjes: Nein. Ich werde noch mit dem Team über die Zukunft sprechen und dann reisen wir ab. Wir haben gezeigt, dass wir Handball spielen können, aber teilweise haben wir zu nervös agiert. Einige meiner Jungs spielen in der Champions League und ich kann nicht ganz nachvollziehen, wieso sie ihre Leistung aus dem Verein nicht mit ins Nationalteam transportieren konnten und ohne Selbstvertrauen agiert haben. Aber so ist es, wir brauchen mehr Zeit.
Wie geht die EM weiter, wer macht das Rennen um die Medaillen?
Vranjes: Norwegen sieht stark aus, Frankreich auch. Kroatien nur teilweise und was ich von Dänemark bisher gesehen habe, war noch nicht überragend. Aber sie haben eine gute Mannschaft, die trotzdem noch weit kommen kann. Und Deutschland sollte mit seinem Potenzial das Halbfinale erreichen.


