Vranjes: »Wir waren nicht gut genug«

Handball

19. Januar 2018, 08:17 Uhr

Ljubomir Vranjes. (Foto: Ungarischer Handballverband)

Der ehemalige Trainer der SG ist mit Ungarn nach der Vorrunde ausgeschieden. Dänemark und Deutschland traut er Medaillen zu.

Varaždin. Für Ungarn und Ljubomir Vranjes war die EM bereits vorbei, bevor sie richtig begonnen hatte. Mit drei Niederlagen in drei Spielen schieden die Magyaren nach der Vorrunde aus und belegen in der Endabrechnung Rang 14 von 16 Teilnehmern. Für einen Mann wie Vranjes, als Spieler dreifacher Europameister, zu wenig. Er wusste zwar vorher, dass er mit Ungarn nicht um die Medaillen spielen würde, aber das Vorrunden-Aus passte ihm nicht. Sein Fernziel mit Ungarn ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Japan. Dahingehend sollte sein Team in Kroatien bei der EM Erfahrung sammeln. Auch Vranjes wollte dies tun, schließlich war es sein Trainer-Debüt bei einer internationalen Endrunde.
Gegen die Weltklasse-Teams aus Dänemark (25:32) und Spanien (25:27) hatte sich Vranjes im Vorfeld nicht viel ausgerechnet, doch gegen diese beiden Gegner zeigte sein Team starke Leistungen. Vor allem im Duell gegen Spanien stand Ungarn bis zum Ende vor einem Punktgewinn. Die Handschrift von Vranjes war bereits zu erkennen. Klare Struktur und ein diszipliniertes, bis ins kleineste Detail geplantes Spiel. Der Schwede selber ging in seiner neuen Herausforderung auf und freute sich sichtlich, zurück auf der Nationalmannschafts-Bühne zu sein.
Gegen Tschechien sollte die Hauptrunde klar gemacht werden. Doch die Tschechen hatte zuvor sensationell Dänemark bezwungen und gewannen mit frischem Selbstvertrauen am Ende auch gegen Ungarn (33:27). Sie waren einfach besser, wie Vranjes uns im Interview nach dem Aus gestand. Die Partie gegen Tschechien hat gezeigt, dass er mit Ungarn noch einen weiten Weg vor sich hat, weil aktuell einfach die Breite an guten Spielern im internationalen Vergleich fehlt. Wer Vranjes kennt, der weiß, dass ihn dies nur noch mehr anstacheln wird, um seine Ziele zu erreichen und damit das nächste Turnier nicht vorzeitig endet.

Flensborg Avis: Ljubomir, woran hat es gelegen, dass Ihr Team mit drei Niederlagen ausgeschieden ist?
Ljubomir Vranjes: Wir waren nicht gut genug. Heute hatten wir eine Chance gegen einen Gegner auf Augenhöhe. Ich finde sogar, wir haben bessere Spieler als Tschechien, aber sie haben richtig gut gespielt. Sie hatten einen besseren Torwart (Martin Galia/Red.) und sie hatten Selbstvertrauen aus dem Dänemark-Spiel.

Können Sie trotzdem etwas mitnehmen aus diesem Turnier, Sie hatten vorher gesagt, dass es für Ihr junges, neuformiertes Team darum geht, Erfahrungen zu sammeln.
Vranjes: Ja, dass kann ich, allerdings hätte ich gerne noch drei weitere Spiele gehabt, um noch mehr Erfahrung zu sammeln. Aber Tschechien war einfach besser. Ich war zufrieden mit der ersten Halbzeit gegen Dänemark und fast mit dem gesamten Spiel gegen Spanien sowie den ersten zehn Minuten und der zweiten Halbzeit heute. Insgesamt war es aber zu wenig.

Es fehlt nicht nur an Erfahrung, was muss Ihre Mannschaft in Zukunft besser machen, um mit den besten Nationen mithalten zu können?
Vranjes: Wir benötigen mehr Spieler auf einem Niveau und das muss höher werden. Leider haben wir nicht die Breite wie die Top-Mannschaften. Im Rückraum bin ich zufrieden, aber am Kreis fehlen mir ebenso Alternativen wie auf Außen und im Tor. Roland Mikler ist ein guter Torwart, Adam Borbely ist jedoch noch jung und muss erst lernen. Zudem haben wir gesehen, dass Mikler zwar im ersten Spiel gegen Dänemark gut gehalten hat, sein Niveau aber nicht über alle Spiele halten konnte. Insgesamt bin ich auch unzufrieden mit dem Zusammenspiel zwischen der Abwehr und den Torhütern.

Wie enttäuscht sind Sie persönlich, dass Ihre erste Endrunde als Nationaltrainer so früh zu Ende ist?
Vranjes: Ich bin enttäuscht, dass wir heute nicht gewonnen haben. In den ersten beiden Spielen können wir nicht viel besser machen. Ich kann schließlich nicht zaubern und unser Team ist so gut wie es ist. Ich versuche immer das Beste aus dem Team zu holen, das mir zur Verfügung steht.

Was machen Sie jetzt noch, reisen Sie sofort ab oder schauen Sie sich noch EM-Spiele an?
Vranjes: Nein. Ich werde noch mit dem Team über die Zukunft sprechen und dann reisen wir ab. Wir haben gezeigt, dass wir Handball spielen können, aber teilweise haben wir zu nervös agiert. Einige meiner Jungs spielen in der Champions League und ich kann nicht ganz nachvollziehen, wieso sie ihre Leistung aus dem Verein nicht mit ins Nationalteam transportieren konnten und ohne Selbstvertrauen agiert haben. Aber so ist es, wir brauchen mehr Zeit.

Wie geht die EM weiter, wer macht das Rennen um die Medaillen?
Vranjes: Norwegen sieht stark aus, Frankreich auch. Kroatien nur teilweise und was ich von Dänemark bisher gesehen habe, war noch nicht überragend. Aber sie haben eine gute Mannschaft, die trotzdem noch weit kommen kann. Und Deutschland sollte mit seinem Potenzial das Halbfinale erreichen.

Ruwen Möller