Flüchtlinge und Fußball: Mehr als nur ein 1:0
DFB will helfen
Die DFB-Elf um Jerome Boateng (v.l.), Gündogan,Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil und Toni Kroos hat zum Thema Flüchtlinge klar Stellung bezogen. (Foto: DFB-TV/dpa)
»Ich halte das für die größte Herausforderung unseres Landes seit der Wiedervereinigung. Da kann im Prinzip niemand sagen, das geht mich nichts an, ich habe damit nichts zu tun. Das muss jeden einzelnen interessieren, dieses Thema in den Griff zu kriegen«, sagte DFB-Chef Wolfgang Niersbach kürzlich und sichert der Politik somit die Hilfe des Fußballs bei der Bewältigung der anstehenden Probleme zu. Der DFB hat deshalb seine Flüchtlingsinitiative »1:0 für ein Willkommen« um vier Jahre ausgeweitet. »Über die Egidius-Braun-Stiftung haben wir sichergestellt, dass dieses Programm bis 2019 weiterläuft«, so Niersbach. Und so sieht das konkret aus: »Mit einer Starthilfe von 500 Euro bezuschusst werden Maßnahmen eines Fußballvereins, wenn sie sich an Flüchtlinge wenden. Die Palette der Ideen ist groß und reicht von einem offenen Spielangebot, der kostenfreien Vereinsmitgliedschaft, dem Kauf von Fußballschuhen und Trikots bis zur Organisation von Fahrdiensten«, so der DFB auf seiner Internetseite. In diesem und dem nächsten Jahr stellt der Verband gemeinsam mit der DFB-Auswahl und der Bundesregierung jeweils 300.000 Euro für die Integration von Flüchtlingen zur Verfügung. »Die Vereine haben die ganze Summe für 2015 auch schon abgerufen«, berichtete Niersbach. Auch die Vereine in Schleswig-Holstein zeigen sich äußerst aktiv in Sachen Hilfe für Flüchtlinge. »Etwa 30 bis 40 Vereine haben bereits die 500 Euro beantragt«, so Tim Cassel, stellvertretender Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Fußballverband (SHFV) bei einer Presserunde am Dienstag in Malente.
Sportbekleidung für Flüchtlinge
Die Gelder vom DFB sind nach einem bestimmten Schlüssel auf die Landesverbände verteilt worden und so konnte der SHFV zunächst 21 Klubs berücksichtigen. Durch die Ausweitung der Initiative können jedoch weitere Vereine finanzielle Unterstützung beantragen. Und es ist ein zweiter Aspekt hinzugekommen, der sowohl für die Vereine aber vor allem für die vielen Flüchtlinge interessant ist. »Der DFB hat sein Archiv für Sportbekleidung geöffnet und will über die Vereine, die die 500 Euro beantragt haben, die Klamotten verteilen«, berichtet Cassel. Dabei handelt es sich beispielsweise um Trainingsbekleidung mit Fehldrucken oder aussortierte Trikots oder Jacken. »Die alten Trikots haben ja nur drei Sterne, die können nicht mehr getragen werden«, so Cassel mit einem leichten Schmunzler als Verweis auf Deutschlands vierten WM-Titel im vergangenen Sommer. »Es ist beeindruckend, wie eine so große Organisation wie der DFB derart unbürokratisch Hilfe leistet«, lobt Cassel den Dachverband in höchsten Tönen. Dazu passen die Worte von Niersbach, der die Unterstützung von Flüchtlingen als »ein großes Gemeinschaftswerk« des deutschen Fußballs bezeichnet. Dass alle 36 Bundesliga-Klubs in ihren Orten eigene Projekte gestartet hätten, sei großartig. »Genauso großartig ist, dass kleine und kleinste Vereine da aktiv sind. Die Botschaft »1:0 für ein Willkommen«, die wir ausgegeben haben, wird im Fußball gelebt. Das ist von enormer Bedeutung«, sagte er weiter. Hans-Ludwig Meyer, Präsident des SHFV sieht »eine Chance für die Vereine« und zielt damit auf die Tatsache ab, dass auch Vereine in Schleswig-Holstein mit Mitgliederschwund zu kämpfen haben. »Hier gibt es Perspektiven, Flüchtlinge als Trainer oder als ehrenamtliche Helfer einzubinden«, so Cassel, der jedoch gleichzeitig hervorhob, dass dadurch keinesfalls bereits engagierte Fußballer in Schleswig-Holstein übergangen werden sollen. Am Sonnabend steht im SHFV ein außerordentlicher Verbandstag an. Dort geht es in erster Linie um eine Veränderung im Rhythmus der ordentlichen Verbandstage - statt alle vier Jahre würden diese fortan alle drei Jahre stattfinden. Doch auch hier werden Flüchtlinge ein Thema sein, denn es werden die nächsten elf Vereine geehrt, die aktiv Hilfe leisten. Darunter auch der MTV Leck aus dem Kreis Nordfriesland.
Hier gibt es die Infos
Die DFB-Initiative "1:0 für ein Willkommen"


